Legende zur Tradition unseres Handwerks

Was hat ein Katzenkopf mit unserem Handwerk zu tun?

In der Blütezeit des deutschen Handwerks, als es noch keine Schlossindustrie gab, war die Fertigung von Schlössern aller Art ein Hauptarbeitsgebiet der Schlosser. Von dieser Tätigkeit her führen wir unsere Berufsbezeichnung  „Schlosser“. Damals wurden auch jene großen Truhen und Kästen aus Eichenholz oder anderen edlen Hölzern hergestellt, deren kunstvoll aus Eisen geschmiedete oder aus Messing oder Kupfer ausgehauene Beschläge wir noch heute bewundern. Für diese Truhen mit dem Klappdeckel wurde ein Schloß vom Schlosser gebaut das man „Katzenkopfschloß“ nannte. Diese Bezeichnung hat sich bei zukünftigen Schlossern bis auf den heutigen Tag erhalten. In der Werkstattsprache nennt man ein solches Schloß „Katzenkopf“.

„Stück davon!“

Solche Truhenschlösser wurden damals derart viel gebaut, dass sie den Schlossern die Zunftbezeichnung „Katzenkopf“ einbrachten. Kam damals ein Schlossergeselle zu einem fremden Meister, um nach Arbeit oder zum Herbergsvater, um nach einem Nachtquartier zu fragen, so prüften ihn beide auf seine Zunftzugehörigkeit mit der Frage „Katzenkopf?“.  Und es war Brauch und Sitte, dass der Geselle antwortete „Stück davon!“.  Diese bescheidene Antwort gab er, weil er eingesehen hatte, dass er als Schlosser niemals auslernen, sondern immer ein Stück von diesem vielgestaltigen Handwerk beherrschen könne, und dass er noch viel lernen müsse, um Meister in seinem Beruf zu werden.

Niemand lernt aus

Und wenn auch heutzutage nur wenig junge Schlosser einen „Katzenkopf“ kennen und noch weniger ein solches Schloß „aus dem Handgelenk“ mit kunstvoll ausgehauenem und ziseliertem Schloßblech und sauber geschmiedeten Schloßteilen herstellen können, so ist doch eines bis auf den heutigen Tag geblieben: die Erkenntnis, dass wir alle nur ein Stück von unserem Handwerk beherrschen!

Je mehr wir Eindringen in die Geheimnisse unseres Handwerks und je schwieriger die Aufgaben werden, die wir als Gesellen und auch als Meister in der Werkstatt zu lösen haben, desto mehr erkennen wir, was wir alles noch lernen müssen!

Ein altes Wort sagt: „Schlosser und Maschinenbauer müssen so lange lernen, bis ihnen alle fünf Finger gleich lang gewachsen sind!“ Bis dahin wollen wir vor uns selbst ehrlich bekennen, wir alle sind ein „Stück davon!“

Quelle: Broschüre Bundesverbandstag 1989